Die 4%-Regel erklärt
Was ist die 4%-Regel?
Die 4%-Regel ist eine Richtlinie für die Entnahme im Ruhestand. Sie besagt: Entnehmen Sie im ersten Ruhestandsjahr 4 % Ihres gesamten Portfolios. In jedem Folgejahr passen Sie diesen Dollarbetrag an die Inflation an. Dieses Vorgehen hatte historisch eine Erfolgsquote von 95 % über 30 Jahre — das heißt, Ihr Geld hätte in 95 % aller historischen Szenarien bis zum Lebensende gereicht.
Beispiel: Wenn Sie mit 1.000.000 $ in Rente gehen, entnehmen Sie im ersten Jahr 40.000 $. Bei 3 % Inflation entnehmen Sie im zweiten Jahr 41.200 $ (40.000 $ × 1,03) und so weiter.
Woher stammt die 4%-Regel?
Die 4%-Regel stammt aus der Trinity-Studie, die 1998 von drei Finanzprofessoren der Trinity University veröffentlicht wurde. Die Studie analysierte US-Aktien- und Anleihemarktdaten von 1926 bis 1995 und testete verschiedene Entnahmeraten gegen historische Marktrenditen.
Das wichtigste Ergebnis: Ein Portfolio aus 50 % Aktien und 50 % Anleihen mit einer anfänglichen Entnahmerate von 4 % (inflationsbereinigt) überstand in 95 % aller historischen Perioden mindestens 30 Jahre.
Spätere Forschungen von Wade Pfau und anderen bauten darauf auf. William Bengen, der bereits 1994 eine frühere Arbeit veröffentlichte, fand heraus, dass 4,15 % die „sichere" Rate sei — die 4 % wurden der Einfachheit halber gerundet.
Ist die 4%-Regel für die Frührente sicher?
Die ursprüngliche Trinity-Studie testete nur 30-Jahres-Zeiträume. Für Frührentner, die 40, 50 oder sogar 60 Jahre im Ruhestand verbringen können, wird die 4%-Regel weniger zuverlässig.
So verändern sich die Erfolgsquoten mit längeren Zeiträumen:
- 30 Jahre mit 4 %: ~95 % Erfolgsquote - 40 Jahre mit 4 %: ~85–90 % Erfolgsquote - 50 Jahre mit 4 %: ~80–85 % Erfolgsquote
Für Frührentner empfehlen viele Experten:
- 3,5 % Entnahmerate für 40+ Jahre Ruhestand (~28,6× Jahresausgaben) - 3,0 % Entnahmerate für 50+ Jahre Ruhestand (~33,3× Jahresausgaben)
Jede Reduzierung um 0,5 % bedeutet 2–4 Jahre länger arbeiten, bietet aber deutlich mehr Sicherheit.
Kritik und Grenzen der 4%-Regel
Die 4%-Regel hat mehrere bekannte Einschränkungen:
1. Sie setzt voraus, dass die historischen US-Renditen anhalten — künftige Renditen könnten niedriger ausfallen, besonders bei aktuell hohen Marktbewertungen.
2. Sie berücksichtigt keine Steuern oder Anlagegebühren — die Regel verwendet Bruttorenditen, aber reale Portfolios verlieren einen Teil der Rendite durch Gebühren und Steuern.
3. Sie geht von starren Ausgaben aus — die meisten Rentner geben nicht jedes Jahr denselben Betrag aus. Flexible Ausgabenstrategien (in schlechten Marktphasen weniger ausgeben) können die Erfolgsquoten deutlich verbessern.
4. Sie ignoriert Sozialversicherung, Renten und andere Einkommensquellen — diese können die erforderliche Entnahmerate erheblich senken.
Trotz dieser Einschränkungen bleibt die 4%-Regel der am häufigsten verwendete Ausgangspunkt für die Ruhestandsplanung.
Finden Sie Ihre sichere Entnahmerate
Die richtige Entnahmerate hängt von Ihrer spezifischen Situation ab. Wichtige Faktoren:
Ihr Alter und Ihre Lebenserwartung — jüngere Rentner brauchen konservativere Raten.
Ihre Flexibilität — wenn Sie in Marktabschwüngen Ihre Ausgaben reduzieren können, können Sie sicher eine höhere Rate verwenden.
Ihre Vermögensaufteilung — ein höherer Aktienanteil unterstützt historisch höhere Entnahmeraten (in vernünftigem Rahmen).
Andere Einkommensquellen — Sozialversicherung, Mieteinnahmen oder Teilzeitarbeit reduzieren alle Ihre erforderliche Entnahmerate.
Nutzen Sie unseren FIRE-Rechner, um zwischen 3 %, 3,5 % und 4 % Entnahmerate zu wechseln und zu sehen, wie sich Ihre FIRE-Zahl verändert.